Die Masken des Königreichs Oku in Kamerun

Ein weiteres Video am Ende des Textes

Das Königreich Oku und das Grasland Kameruns sind reich an traditioneller Kunst. Die zahlreichen Volksgruppen, Ge­sellschaften und Geheimbünde kennen eine Vielfalt beeindru­ckender Masken und Kostüme. Diese sind oftmals mit Applikatio­nen verziert, die ihrerseits kleine Kunstwerke sind.

Das können geschnitzte Miniaturen, aber auch Lederpackungen mit geheimen Medizinen, Perlen oder organische Substanzen aus dem Tierreich sein. Letztere kommen häufig beim königlichen Schmuck vor, der mit diesen Elementen die Kraft der Wildnis ad­aptiert. Beispiele dafür sind Pavianzähne und Elfenbeinkugeln an einer Halskette oder Trinkgefäße aus Antilopenhorn, welches mit aufwendig geschnitzten Zierelementen veredelt wurde.

Bei den Heilern findet man mitunter feine Elfenbeinfiguren, die unter anderem bei der Geburtshilfe eingesetzt werden. Internati­onale Anerkennung genießen insbesondere die Meisterwerke der Bronzegießer.

Eine weitere wichtige Gruppe sind die Kultgegenstände, die mit der Kraft von Buschgeistern und der Ahnenverehrung zu tun haben.

Kwifon – der Geheimbund der Clanoberhäupter

Kwifon ist in Oku, dem höchstgelegenen Königreich des kamerunischen Graslandes, die mächtigste Geheimgesell­schaft. Sie spielt dort zusammen mit König Fon Sentieh II. die wichtigste politische Rolle. Zu dieser Gesellschaft gehören vor allem die Fais, Oberhäupter großer Familienclans, die beratende und regulierende Funktionen haben und die Interessen ihres je­weiligen Clans vertreten.

Kwifon dient dazu, den König zu tragen, zu beschützen und mit ihm gemeinsam in jeder erdenklichen Hinsicht für das Volkswohl zu sorgen. Das Wirken Kwifons wird dabei voll akzeptiert, weil der Bund eine kontrollierende Funktion ausübt und Alleingängen des Herrschers vorbeugt. So muss der König bei allen wichtigen Entscheidungen Kwifon konsultieren, weil das letzte Wort stets vom Kollektiv gesprochen wird.

Kwifon übt außerdem Rechtspre­chung aus und ist für die Veranlassung der meisten religiösen Zeremonien zuständig. So werden beispielsweise verstorbene Mitglieder Kwifons unter Verwendung ritueller Masken mit spezi­ellen Zeremonien bestattet. Zudem spielt die Geheimgesellschaft bei der Verfolgung von Dieben und Hexen eine große Rolle. Sie wird von allen, die dem Volk oder dem König Schaden zufügen wollen, gefürchtet und von jedermann respektiert.

Kheghebcio – die Hexenjäger

Der Geheimbund Kheghebcio ist im Kameruner Grasland für den Schutz vor Hexen und für deren Bekämpfung zu­ständig. Für den Umgang mit den bösen Mächten ist Kheghebcio durch ein entsprechend düsteres und abschreckendes Gewand gewappnet, das über und über mit Amuletten und magischen Paketen voller geheimer Medizinen bedeckt ist. Jede Applikation legt Zeugnis über einen Fall ab, in dem eine Hexe dingfest ge­macht oder ein Hexenzauber gebannt werden konnte.

Entsprechend groß ist der Respekt vor diesem Kostüm, das nur von Initiierten zu wichtigen Anlässen getragen werden darf. Al­len anderen, besonders den Frauen, ist es streng verboten, das Gewand zu berühren, da die Ansteckung durch böse Kräfte be­fürchtet wird.

„Kheghebcio“ bedeutet in der Okusprache „Vollbart“, womit auf die Bastbärte der Masken angespielt wird. Ein weiteres typisches Zeichen für Kheghebcio ist eine Frucht, die von den Trägern des magischen Kostüms bei Ritualen im Mund getragen wird. Da­bei handelt es sich um Solanum aethiopicum, die „Äthiopische Eierfrucht“. Diese gehört zu den Nachtschattengewächsen und wird mit der Ngang-Medizingesellschaft assoziiert, deren Teil Kheghebcio ist.

Samba – die Heilkraft der Frauen

Die Besonderheit der Samba-Medizin liegt darin, dass alle wichtigen Schritte bei der Vorbereitung und Anwendung von Medikamenten von Frauen durchgeführt werden müssen. Diese sind in den Kult initiiert und in Netzwerken organisiert.

Weil eine Aufgabe Sambas in der Bekämpfung der Hexerei besteht, bezeichnet man Samba gern als die Frau Kheghebcios. Sambas Macht ist diesbezüglich mindestens genauso gefürchtet und beinhaltet das Recht zu strafen, aber auch das Wissen um hochpotente pflanzliche Abwehrgifte, etwa gegen Schadenszauber.

Eine weitere, ebenso wichtige Seite Sambas sind die Kenntnisse von Heilmedizinen bei Unfruchtbarkeit. Diese werden von kinder­losen Frauen seit jeher erfolgreich in Anspruch genommen. Au­ßerdem sorgt Samba mit speziellen Ritualen und dem Einsatz von geheimen Pflanzenmixturen für die reibungslose Bestattung von Toten.

Ihr Einsatz stellt sicher, dass die Seelen der Toten ihren Frie­den finden, anstatt zurückzukehren, um die übrigen Familien zu terrorisieren. Dass man Samba gelegentlich als „militärischen Ge­heimbund“ bezeichnet, hängt damit zusammen, dass bestimmte ihrer eigens komponierten Arzneien Kriegern Stärke verleihen kön­nen – bis hin zur Unbesiegbarkeit.

Kannibalenschale der Hexenbünde

Diese mehr als 100 Jahre alte Schale stammt aus dem Kö­nigreich Oku im Kameruner Grasland und wurde von den Mitgliedern diverser Hexenbünde im Ritual benutzt.

Die Hexen gebrauchten die Schale, um den Mächten der Dunkel­heit Menschenopfer darzubringen. Das Blut der geopferten Per­son war den Schadensmächten vorbehalten, ihr Fleisch hingegen wurde von den Hexen auf dem Höhepunkt der Zeremonie einver­nehmlich verspeist.

Die Schale, auf deren Besitz ebenso wie auf die Beteiligung an besagten Riten die Todesstrafe stand, wurde vor vielen Jahren aus Oku herausgeschmuggelt und in den angrenzenden Ländern aufbewahrt.

Der Besitzer kontaktierte Henning Christoph, um ihm die Schale für den Museumsbetrieb zu überlassen, wo sie heute von dem längst vergangenen Kannibalismustreiben unter den Kameruner Hexenbünden kündet.

Chong Reibtrommel

Die Chong-Geheimgesellschaft nimmt unter den Geheim­bünden des Königreichs Oku eine Sonderstellung ein.

Es handelt sich um einen Kriegerbund gegen Schadensmächte, dessen Mitglieder keine Masken tragen, sondern Außenstehen­den und Übeltätern Angst und Respekt mit den geheimnisvollen Klängen ihrer Instrumente einflößen. Dazu zählen ein hölzernes Horn und ein Wasserhorn, das aus einer mit Wasser gefüllten Ka­lebasse und einem Bambusrohr besteht.

Vor allem aber ist Chong bekannt für seine charakteristische Reib­trommel. Dieses Instrument, das ebenso wie die anderen mit Aus­nahme von großen Palastzeremonien vorwiegend nachts gespielt wird, soll vor den Hexenkräften schützen und die Dorfbewohner mahnen, nachts nicht das Haus zu verlassen.

Die Nutzer der Reibtrommel befeuchten ihre Hände vor dem Spiel mit Palmwein und benutzen kleine Bambusstöcke, um die Trom­mel zum Sprechen zu bringen.

Mami Wata, die Hexe von Oku

In Afrika ist „Mami Wata“ (Mutter Wasser) längst zu einem Schlüsselbegriff geworden, der in mindestens 14 Ländern bekannt ist und streng genommen unzählige regional verehrte Wassergottheiten und -geister bezeichnet. Im Vordergrund steht dennoch meist die verführerische Figur der Nixe, der attraktiven Frau aus dem Zwischenreich, deren Gunst, genau wie das Wasser, ständig wechselt und in Bewegung ist.

Dass die in anderen Teilen Afrikas als Wohlstand bringende Figur Mami Watas ausgerechnet weit ab vom Meer in den Bergen Ka­meruns als finstere Macht auftaucht, ist eine ethnologische Sen­sation. Im Königreich Oku gilt Mami Wata als gefährliche Hexe, deren schädlichen Treiben alljährlich Einhalt geboten wird.

Bei den traditionellen Dezemberzeremonien legt der Geheimbund Kheghebcio zusammen mit Medizinmännern der Ngang-Gesell­schaft geheime Medizinen an allen Brücken und Bächen in Oku aus. So wird verhindert, dass Mami Wata ihr Element verlässt, um unter den Menschen Schaden anzurichten.

Bei Palastzeremonien steht eine Holzstatue Mami Watas im Hof des Königs, damit die Männer des Dorfes wissen, wie die Hexe aussieht und nicht vergessen, wie schnell sie ihrer Verführung er­liegen könnten.

Ngang – Die geheime Medizingesellschaft

Die bedeutendste Medizingesellschaft in Oku und in mehre­ren anderen Stämmen des Kamerunischen Graslandes ist Ngang. Das Wort „Ngang“ stammt aus den Bantusprachen und bedeutet in weiten Teilen des Kongo so viel wie „Medizinmann“ oder „Wahrsager“.

In der Kameruner Geheimgesellschaft Ngang versammeln sich alle Heiler und Orakeldeuter der hier beheimateten Stämme, um gemeinsam dem Schutz und Wohlbefinden der Menschen zu die­nen. In Ngang konzentrieren sich traditionelle Magiemedizin und Jahrhunderte alte Heilkunst der Region, wie etwa das Wissen um seltene Arzneipflanzen und deren Anwendung.

Das erklärte Ziel von Ngang ist, Gesundheit und Wohlstand der Bevölkerung zu fördern, aber die Gesellschaft sorgt auch für die Verteidigung gegen Hexenzauber. Sie hält feindliche Kräfte mit geheimen Zeremonien in Schach und ist für die Versorgung ande­rer, kleinerer Gesellschaften mit Medizin zuständig.

Tah Kenette Konsum über die das Königreich Oku